Nicht ob. Sondern wann.
Jeder DJ, der seit mehr als 5 Jahren dabei ist, hat bereits:
- Eine Festplatte voller Musik verloren
- Einen Laptop gestohlen oder kaputt bekommen
- Einen USB-Stick beschädigt
- Versehentlich den falschen Ordner gelöscht
Du kannst Equipment ersetzen. Du kannst einige Tracks erneut herunterladen. Aber du kannst nicht Jahre an Cue Points, Beat Grids, Playlists und Organisationsarbeit ersetzen. Diese Metadaten sind unersetzlich.
Was du wirklich sicherst
Ein DJ-Bibliothek-Backup sind nicht nur die Audiodateien. Es sind drei Dinge:
1. Audiodateien
Deine eigentliche Musik — MP3, FLAC, WAV. Das ist der Großteil der Daten. Bei einer Bibliothek von 10.000 Tracks in gemischten Formaten rechne mit 50–150 GB.
2. DJ-Software-Datenbank
Hier liegt der echte Wert:
- Rekordbox:
~/Library/Pioneer/rekordbox/(Mac) oder%APPDATA%\Pioneer\rekordbox\(Windows) - Serato:
~/Music/Serato/(Mac) oder%USERPROFILE%\Music\Serato\(Windows) - Traktor:
~/Documents/Native Instruments/Traktor/(Mac) oder%DOCUMENTS%\Native Instruments\Traktor\(Windows)
Diese Datenbank enthält: Cue Points, Hot Cues, Memory Cues, Beat Grids, Loops, Playlists, Wiedergabeverlauf, Bewertungen und Analysedaten.
3. Metadaten in den Dateien
Deine ID3-Tags — Titel, Künstler, Genre, BPM, Tonart, Kommentare. Diese leben in den Audiodateien selbst, also deckt das Backup deiner Audiodateien das ab. Aber wenn du ein separates Tagging-Tool verwendest, stelle sicher, dass du nach dem Tagging speicherst, bevor du das Backup startest.
Die 3-2-1-Backup-Strategie
Der Goldstandard für alle Daten, angepasst für DJs:
- 3 Kopien deiner Daten (Original + 2 Backups)
- 2 verschiedene Medientypen (z.B. interne SSD + externe SSD + Cloud)
- 1 Off-Site-Kopie (Cloud oder eine Festplatte bei einem Freund)
So setzt du es um:
Kopie 1: Dein Arbeitslaufwerk
Die interne SSD deines Laptops oder dein externes Hauptlaufwerk. Hier legst du im Alltag auf.
Kopie 2: Externes SSD-Backup
- Besorge dir eine portable SSD (Samsung T7, SanDisk Extreme — 1 TB für ca. 80 €)
- Spiegle deinen Musikordner wöchentlich
- Auf Mac: Verwende
rsyncoder Carbon Copy Cloner - Auf Windows: Verwende
robocopyoder FreeFileSync - Lagere sie in einer anderen Tasche/einem anderen Raum als deinen Laptop
Schneller rsync-Befehl:
rsync -avh --delete ~/Music/DJ/ /Volumes/DJ-Backup/Music/DJ/
Kopie 3: Cloud-Backup
- Backblaze Personal (9 $/Monat, unbegrenzt) — einfachste Set-and-Forget-Option
- iDrive (4 $/Monat, 5 TB) — gut für große Bibliotheken
- Google Drive / iCloud — funktioniert, wenn deine Bibliothek in deinen Plan passt
Cloud-Backup schützt vor Brand, Diebstahl und physischem Laufwerksversagen. Die Wiederherstellung ist langsam, aber es ist deine Versicherungspolice.
DJ-Software-Datenbanken sichern
Rekordbox
- Öffne Rekordbox → Datei → Bibliothek → Bibliothek sichern
- Dies erstellt ein
.zipdeiner Datenbank - Speichere dieses Zip auf deinem externen Laufwerk UND in der Cloud
- Mach das monatlich oder vor jedem wichtigen Gig
Alternativ sichere den gesamten Rekordbox-Ordner:
rsync -avh ~/Library/Pioneer/rekordbox/ /Volumes/DJ-Backup/rekordbox-db/
Serato
Serato speichert Metadaten in versteckten .SeratoAnalysis_-Dateien neben deiner Musik. Wenn du deinen Musikordner sicherst, kommen diese mit. Aber sichere auch:
rsync -avh ~/Music/_Serato_/ /Volumes/DJ-Backup/serato-db/
Traktor
Sichere den gesamten Traktor-Ordner:
rsync -avh ~/Documents/Native\ Instruments/Traktor/ /Volumes/DJ-Backup/traktor-db/
Traktors collection.nml-Datei ist das Kronjuwel — sie enthält alle deine Playlists, Cue Points und Analysedaten.
USB-Stick-Management
USB-Sticks sind das am häufigsten verlorene DJ-Equipment. Die Regeln:
- Bewahre nie deine einzige Kopie auf einem USB-Stick auf. USB-Sticks sind Exports, kein Hauptspeicher.
- Beschrifte jeden USB-Stick mit deinem Namen und Kontaktdaten.
- Re-exportiere, sammle nicht an. Formatiere und exportiere für jeden Gig frisch, anstatt Tracks über die Zeit hinzuzufügen. Das verhindert USB-Korruption und hält alles sauber.
- Nimm zwei USB-Sticks zu jedem Gig mit. Identische Exports.
Vor dem Backup: aufräumen
Ein unordentliches Backup bewahrt nur das Chaos. Vor deinem ersten vollständigen Backup:
- Entferne Duplikate — es hat keinen Sinn, 3 Kopien desselben Tracks zu sichern
- Korrigiere deine Tags — sichere die getaggten Versionen, nicht das ungetaggte Chaos
- Organisiere deine Ordner — eine saubere Struktur lässt sich leichter wiederherstellen
Backups automatisieren
Das beste Backup ist eines, über das du nicht nachdenken musst.
Mac
- Time Machine — einrichten und vergessen. Deckt alles ab.
- Carbon Copy Cloner — geplante, bootfähige Klone deines gesamten Laufwerks.
Windows
- Dateiversionsverlauf — eingebaut, automatische Versionierung
- FreeFileSync — kostenlos, geplante Ordnerspiegelung
Beide
- Backblaze — einmal installieren, sichert alles kontinuierlich im Hintergrund
Was ist mit Streaming?
Wenn du Beatport LINK, Beatsource LINK, SoundCloud Go oder TIDAL zum Auflegen nutzt — diese Tracks sind nicht in deiner Bibliothek. Sie werden gestreamt. Wenn der Dienst ausfällt oder du kündigst, sind sie weg.
Pflege immer deine eigene Bibliothek mit gekauften/heruntergeladenen Tracks neben jedem Streaming-Setup.
Wiederherstellungs-Checkliste
Wenn die Katastrophe eintritt, hier die Reihenfolge der Wiederherstellung:
- ✅ Stelle Audiodateien vom Backup-Laufwerk oder der Cloud wieder her
- ✅ Stelle die DJ-Software-Datenbank im richtigen Ordner wieder her
- ✅ Öffne deine DJ-Software — überprüfe, ob sie alle Tracks findet
- ✅ Verknüpfe Tracks mit geänderten Pfaden neu (Rekordbox: Datei → Alle fehlenden Dateien anzeigen)
- ✅ Teste deine Cue Points bei einigen Tracks
- ✅ Exportiere auf USB und überprüfe auf den Decks
CrateGuard vor dem Backup
Bevor du deine Bibliothek archivierst, starte CrateGuard, um Duplikate zu eliminieren. Es hat keinen Sinn, für Cloud-Speicher zu bezahlen, um 3 Kopien desselben Tracks in verschiedenen Formaten zu hosten. Erst aufräumen, dann die schlanke Version sichern.



